Die Gesellschaft verändert sich – Was der Spitzensport von der Wirtschaft lernen kann

Zunächst vom Spitzensport zur Wirtschaft …

Von den beiden zurzeit wohl anerkanntesten und im Übrigen sehr angenehmen deutschen Sportpsychologen Hans-Dieter Hermann und Jan Mayer ist im Jahr 2014 unter dem Titel „Make them go!“ ein Buch erschienen, das man als „Must-Have“ bezeichnen kann. Das Besondere daran ist, dass Hermann und Mayer nicht nur faszinierende Einblicke in den „inner circle“ des Spitzensports gewähren und eindrücklich veranschaulichen, mit welchen Strategien und Methoden individuelle und kollektive Höchstleistungen möglich sind – sondern darüber hinaus dieses Wissen auch in die Welt der Wirtschaft und des Managements übertragen, um es für Fach- und Führungskräfte fruchtbar zu machen. Hervorzuheben sind insbesondere die Beiträge zu den Themen Motivationsanreize, Individualisierung und Teamentwicklung sowie Emotionalität und Vertrauensbildung. Das Buch bietet einiges, was die Wirtschaft vom Spitzensport lernen kann.

… und dann von der Wirtschaft zum Spitzensport

Umgekehrt stelle ich mir allerdings immer öfter die Frage, ob es nicht auch dem Spitzensport guttun würde, sich stärker von der Wirtschaft inspirieren zu lassen. Denn unsere Gesellschaft wandelt sich – und die Wirtschaft scheint das früher erkannt zu haben als der Spitzensport. Das zeigen nicht nur Bestseller wie Patrick Cowdens Buch „Neustart: Das Ende der Wirtschaft, wie wir sie kennen“ oder die vielen einschlägigen Artikel in den beruflichen sozialen Netzwerken zu Themen wie „New Work“, „Arbeiten 4.0“ oder „Industrie 4.0“. Auch der Umgang mit der „Generation Y“ und die damit verbundenen Chancen und Herausforderungen für Firmen werden in der Wirtschaft bereits seit langem behandelt. In den Profivereinen findet eine Beschäftigung mit den gesellschaftlichen Veränderungsprozessen – wie zuletzt Werner Micklers Vortrag über die Entwicklung des Anforderungsprofils von Fußballtrainern beim diesjährigen Internationalen Trainerkongress (ITK) in Fulda gezeigt hat – hingegen bislang nur unzureichend statt. Dafür sind die Denk- und Handlungsweisen im Spitzensport häufig noch zu veraltet, unflexibel und hierarchiegeprägt.

In vielen Firmen bereits seit Langem etablierte Arbeitsweisen wie das Home Office sind nur für sehr kleine Personenkreise im Spitzensport denkbar – z.B. für Videoanalysten. Für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind mir aus dem Bereich des Spitzensports – anders als aus Wirtschaft – bislang keine Konzepte bekannt. Stattdessen wird es einfach als normal empfunden bzw. vorausgesetzt, dass viele Trainer und Entscheidungsträger hunderte Kilometer getrennt von der Familie leben und sie nur einmal in der Woche sehen – wenn überhaupt. Sorry, aber ein solches Leben ist kein Familienleben. Und es gibt nicht wenige, die darunter leiden. Anstatt zu kapitulieren, gilt es hier von Akteurs-, Vereins- und Verbandsseite zu agieren und zu verändern. Gleiches gilt für das Thema Führung: Führung wird noch immer eher transaktional als transformational verstanden und gelebt – häufig fehlt ein wirkliches Sich-Einlassen auf die Geführten. Und ein Betriebliches Gesundheitsmanagement gibt es gerade dort, wo Gesundheit und Bewegung einen besonderen Stellenwert einnehmen sollte, bislang nur in kleinen Ansätzen – und auch nicht überall.

Diese Liste ließe sich noch um weitere Punkte erweitern. Aber dieser Beitrag soll nicht erschöpfend sein, sondern „nur“ anregen und inspirieren. Ich schaue jedenfalls immer wieder gerne „hinüber“ zum Wirtschaftsbereich und werde dort bald auch die Innenperspektive einnehmen. Aber mehr dazu im nächsten Blogeintrag. Bis dahin!

Ihr Michael Micic

 

Literatur:

  • Hermann, Hans-Dieter & Mayer, Jan 2014. Make them go!: Was wir vom Coaching für Spitzensportler lernen können. Hamburg: Murmann.
  • Cowden, Patrick D. 2013. Neustart: Das Ende der Wirtschaft, wie wir sie kennen. Ab jetzt zählt der Mensch! München: Ariston.

Sehen wir uns beim ITK 2016 in Fulda?!

In wenigen Tagen (25.-27. Juli) findet zum 59. Mal der Internationale Trainerkongress (ITK) statt, der vom Bund Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL) veranstaltet wird. Austragungsort des Kongresses 2016  ist die historische Stadt Fulda. Wie in jedem Jahr wird auch beim diesjährigen ITK wieder das „Who is Who“ des deutschen Fußballs vertreten sein. Unter dem Leitthema „Analyse der EM 2016 und Perspektiven aktueller Trainerkompetenzen“ bekommen die Teilnehmer ein attraktives und abwechslungsreiches Theorie- und Praxisprogramm geboten. Sind Sie Trainer oder Entscheidungsträger und kommen auch zum ITK nach Fulda? Dann sollten wir uns dort persönlich kennenlernen und klären, wie Sie von meinem Life-Coaching-Angebot profitieren können. Kontaktieren Sie mich am besten noch in dieser Woche und wir vereinbaren einen unverbindlichen Kennenlerntermin.

Ihr Michael Micic

Empathie und Resonanz als „Must-have“ guter Führung

Wer als Führungskraft in der Wirtschaft oder Trainer im Spitzensport Teams erfolgreich entwickeln möchte, braucht mehr als Fach- und Organisationskompetenz. Erforderlich ist auch und insbesondere die Bereitschaft und Fähigkeit, sich in die Gedanken, Einstellungen und Emotionen seiner Teammitglieder einzufühlen. Mit einem Wort: Es braucht Empathie. Die Fähigkeit zur Empathie „ist im Menschen von Geburt an angelegt. […] Schon kleine Kinder trösten in der Regel die Mutter, wenn diese weint. Sie sind früh in der Lage, den Gefühlszustand zu erkennen und selbst zu reagieren“ (Kaßner 2016). Wird diese Fähigkeit allerdings nicht immer wieder trainiert und angewandt, verkümmert sie im Laufe der Jahre. Und das hat weitreichende Folgen. Denn wenn Teams als Ganzes oder dessen Mitglieder als Einzelne sich von ihrem Vorgesetzten nicht verstanden fühlen, werden sie leistungstechnisch unter ihren Möglichkeiten bleiben. Umgekehrt kann eine hohe Empathiefähigkeit die Leistung und Zufriedenheit deutlich fördern. Deshalb ist es für Führungskräfte in der Wirtschaft oder Trainer im Spitzensport so wichtig, das einfühlsame und empathische Mitschwingen zu üben.

Für die eigene Entwicklung bedarf es allerdings noch eines weiteren Schrittes: der Bereitschaft und Fähigkeit zur Resonanz. Dabei geht es darum, dass man sich als Führungskraft bzw. Trainer den Widerhall, den das Mitschwingen mit einem ganzen Team oder einzelnen Teammitgliedern auch aufgrund der „eigenen Lebensgeschichte/-wirklichkeit [in einem selbst] hervorruft“ (Kaßner 2016), in Distanz zu sich selbst bewusstmacht.

Wer in Empathie und Resonanz gut geübt ist, lernt nicht nur, sein Team und sich besser zu verstehen, sondern auch besser zu führen und damit weiterzuentwickeln.

Probieren Sie es aus!

Ihr Michael Micic

P.S.: Sie können übrigens „nicht nur mit anderen Menschen, sondern auch mit Themen, Stimmungen, Orten, Bildern etc.“ (Kaßner 2016) in Resonanz treten und so vielleicht noch Unentdecktes über sich erfahren.

 

Literatur:

Kaßner, Susanne 2016. Resonanz und ihre Bedeutung im Coaching-Prozess: Teil 1. Online im Internet: URL: http://www.coaching-newsletter.de/archiv/2016/coaching-newsletter-mai-2016.html [Stand: 31.05.2016].

Time for change – Paradigmenwechsel in Wirtschaft und Spitzensport?

Gegenwärtig vollzieht sich ein Wandel von der Industrie- hin zur Wissens- und Informationsgesellschaft. Treiber dieses Veränderungsprozesses sind die Globalisierung, Digitalisierung und Technologisierung.

Wirtschaft

Der Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx prognostiziert, dass dadurch tiefgreifende Auswirkungen auf die Arbeits- und Lebenswelten zu erwarten sind – und spricht vom „Megatrend New Work“ (Zukunftsinstitut 2016). Silke Luinstra, die als Beraterin und Trainerin in Unternehmen arbeitet und Mitinitiatorin des Filmprojekts „AUGENHÖHE“ ist, sieht ebenfalls die Zeit für Veränderung gekommen und plädiert „für ein neues Paradigma in der Arbeitswelt“, das Mitarbeitenden mehr Eigenverantwortung und Entscheidungsbeteiligung ermöglicht und Menschlichkeit als wichtigen Faktor für die Arbeitszufriedenheit und den ökonomischen Erfolg begreift (Deutschlandradio Kultur 2016) – ein Plädoyer, das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geteilt wird. Aus diesem Grund startete es im vergangenen Jahr einen „Dialogprozess Arbeiten 4.0“.

Spitzensport

Und wie steht es mit dem Spitzensport? Besteht auch hier – ähnlich wie in der Wirtschaft – Anlass für einen Paradigmenwechsel? Nach Auffassung von Prof. Angar Thiel, Leiter des Instituts für Sportwissenschaft der Universität Tübingen, steht zumindest die Frage im Raum, ob und inwieweit die veränderten Aufwachsbedingungen junger Menschen in Zeiten des gesellschaftlichen Wandels noch mit den Leistungs- und Lebensanforderungen des Spitzensports kompatibel sind (2015).

Erfolgsfaktor Lebenswelt weitgehend unberücksichtigt

Ein Blick in das aktuelle BDFL-Journal (2016) und in die sportwissenschaftliche Forschung zeigt, dass der Erfolgsfaktor Lebensgestaltung im Spitzensport bislang kaum berücksichtigt wird (Thiel 2015). Dabei sei allerdings – so Thiel – gerade die „Passung von individueller Lebenswelt und Spitzensporterwartungen [eine] wichtige Voraussetzung für langfristigen sportlichen Erfolg“ (2015).

Kollisionen

Vergleicht man die individuellen Aufwachsbedingungen heutiger junger Menschen mit den Leistungs- und Lebensanforderungen des Spitzensports, scheint diese Passung nicht mehr gegeben zu sein. Laut Thiel findet hier eher eine Kollision statt. Es mangele auf der Trainerseite an einem Bewusstsein und Verständnis für die Alltagsprobleme junger Athleten innerhalb und außerhalb des Sports (2015). Beispielsweise sei für sie die „Enträumlichung und Entzeitlichung der mediatisierten Welt […] nur schwer mit der des Trainings-und Wettkampfbetriebs“ in Einklang zu bringen (2015). Es falle ihnen zunehmend schwerer, sich unterzuordnen, weil sie mit der „mediale[n] Fiktion der maximalen Selbstverwirklichung“ aufwachsen (2015). Ferner haben sie laut Thiel wenig Coping-Erfahrungen mit Niederlagen und Scheitern und bekommen diese durch die Medien auch nicht ausreichend vermittelt (2015). Es falle ihnen häufig schwer, mit Monotonie umzugehen; Möglichkeiten, subjektive Belastungen und Beschwerden (körperlich und psychisch) in einem vertrauensvollen Rahmen zu kommunizieren, seien kaum vorhanden und Mehrfachbelastungen (z.B. G8) führten zu fehlenden Regenerationszeiten (2015).

Lösungsansätze

Bei dieser Fülle an Kollisionen stellt sich freilich die Frage, wie die Trainer und Entscheidungsträger in den Vereinen die veränderten Aufwachsbedingungen junger Athleten berücksichtigen und dennoch den Leistungs- und Lebensanforderungen des Spitzensports weitgehend gerecht werden können, um erfolgreich zu sein. Thiel sieht in der individualisierten Kommunikation mit Athleten einen wichtigen Lösungsansatz. Für ihn ist sie ein zentraler Faktor zur „Vermeidung von Burn-Out, chronischen Überlastungssyndromen und Drop-Out“ (2015). Im 1:1-Gespräch gelte es, die „Differenz zwischen medialer Realität und spitzensportlicher Realität zu besprechen“ (2015). Außerdem müssten für Athleten in Zukunft mehr Gelegenheiten geschaffen werden, aus der Kollektividentität auszubrechen und sich – wie es ihrem individuellen Entwicklungsbedürfnis als junge Menschen entspricht – „zumindest in der Fiktion“ (2015) abweichend verhalten zu dürfen.

Was dazu wohl die Trainer und Entscheidungsträger sagen …

Ihr Michael Micic

 

Literatur und Quellen:

Scheitern als Begründung für den Erfolg?

„I’ve missed more than 9000 shots in my career. I’ve lost almost 300 games. 26 times, I’ve been trusted to take the game winning shot and missed. I’ve failed over and over and over again in my life. And that is why I succeed.“

Hätten Sie gedacht, dass das ein Zitat von Michael Jordan (2012) ist? Scheitern als Begründung für den Erfolg: eine ungewöhnliche und zugleich nachdenkenswerte Aussage – insbesondere, weil sie vom besten Basketballspieler aller Zeiten stammt (NBA 2016).

Gut, jetzt könnte man einwenden, dass es in Ballsportarten selbst bei Superstars neben Treffern auch immer wieder zu Fehlschüssen kommt. Keiner hat eine 100%-Quote. Damit umgehen zu können, ist noch keine besondere Leistung. Aber darum geht es in Jordans Aussage nicht. Es geht um mehr – viel mehr. Es geht darum, sich trotz Fehlversuchen und Niederlagen im Sport wie im Leben nicht unterkriegen zu lassen, sondern mit Kraft und Zuversicht „fokussiert und leidenschaftlich die eigenen Ziele zu verfolgen – ganz gleich, welche üblichen oder unerwarteten Rückschläge und Herausforderungen auch auftauchen mögen“ (Peltin & Rippel 2015:38). Es geht darum, „nach vorne zu blicken, anstatt zurück, bewusst immer wieder aufzustehen, anstatt liegen zu bleiben, und weiterzumachen, anstatt aufzugeben“. Diese Widerstandsfähigkeit und „Stehaufmännchen-Mentalität“ wird in der Psychologie als „Resilienz“ bezeichnet. Der Begriff stammt aus dem lateinischen „resilire“, was übersetzt „zurückspringen“, „abprallen“ bedeutet.

Jordans Resilienz wurde bereits in jungen Jahren auf eine harte Probe gestellt. Denn nachdem er sich 1977 in die Laney Highschool in Wilmington, North Carolina, eingeschrieben hatte, scheiterte er ein Jahr später bei dem Versuch, ins Basketballteam der Uni-Mannschaft aufgenommen zu werden (Porter 2007:XV). Anstatt aufzugeben, blieb er aber dran, steigerte sich ungemein und schaffte in den Folgejahren den Durchbruch (:XV). Hätte sich Jordan nicht von Anfang an durchgebissen, hätte es eine der größten Sportlerkarrieren der Welt womöglich niemals gegeben!

Aufgrund dieses und vieler ähnlicher Beispiele fordert der Trainer von Borussia Dortmund, Thomas Tuchel, ein Umdenken in der Ausbildung junger Fußballtalente. Seiner Auffassung nach kann „diese Riesen-Komfortzone, die wir den Spielern heute zugute kommen lassen,  […] dazu führen, dass etwas fehlt: To overcome obstacles“ (2015). Tuchel fragt und folgert: „Wer kann noch Leistung bringen, wenn die Kabine nicht klimatisiert ist, kein Fahrservice da ist, die Wäsche nicht gewaschen. Hindernisse zu überwinden, lernt man nur so. […] Diejenigen, die was werden, haben vielleicht diese Eigenschaft, sich den Weg auch mal freizuräumen“ (2015).

Stimmt. Zumindest im Basketball. Siehe Michael Jordan …

Ihr Michael Micic

 

Literatur und Quellen:

Grenzsituationen im Spitzensport – Gedanken zum ersten Todestag von Junior Malanda

Teelicht

Heute vor genau einem Jahr verstarb Junior Malanda vom VfL Wolfsburg bei einem Verkehrsunfall. Er wurde nur 20 Jahre alt. Trainer Dieter Hecking konnte die Nachricht vom Tod seines Spielers erst gar nicht glauben. In einem Interview sagte Hecking nun, die Schreckensmeldung habe „uns allen den Boden unter den Füßen weggezogen“ (2016:28). Für die Mannschaft war es eine „Extremsituation“ – gerade für die jungen Spieler (:28). Viele seien erstmals in ihrem Leben mit einem Todesfall konfrontiert worden. Für Hecking selbst waren die Tage und Wochen nach dem tödlichen Unfall die schwierigste Zeit als Trainer (:29). Unterstützung erhielt der Club von Professor Andreas Marlovits, vielen im Fußball als Psychologe bekannt (:28). Weit weniger bekannt ist, dass Marlovits darüber hinaus auch studierter Theologe und somit mit existenziellen Lebensfragen vertraut ist. Gleiches gilt für den Seelsorger Michael Hartlieb, der die Profis von Hannover 96 nach der Trauer um Robert Enke auf ihrem Weg zurück in die Normalität begleitete. Von beiden – Marlovits und Hartlieb – heißt es, dass sie für die Vereine eine wichtige Unterstützung in einer schwierigen Zeit gewesen sind (Hardt 2009). Weiterlesen

Erosion der Lebensbereichs­grenzen – oder: Warum wir innerlich und äußerlich nie „offline“ sind

Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft

Mit meinem ersten Blogeintrag in 2016 wünsche ich Ihnen ein tolles neues Jahr und hoffe, dass sie gut gestartet sind. Jahreswechsel bringen es ja unweigerlich mit sich, dass wir das alte Jahr „ablegen“ und uns auf das neue Jahr einstellen müssen. Das mag in den ersten Wochen noch etwas schwerfallen. Mitunter schreiben wir hier und da bei der Datumsangabe noch die Jahreszahl des alten Jahres. Aber irgendwann sind wir ganz im Jahr 2016 angekommen und lassen das alte Jahr gedanklich hinter uns.

Beim alltäglichen Switchen zwischen den verschiedenen Lebensbereichen gelingt uns das allerdings nicht unbedingt.  Denn anders als im Industriezeitalter, als die Märkte noch überschaubarer und stabiler waren und eine klare Trennung zwischen Arbeits-, Obligations- und Freizeit herrschte, findet im heutigen, von Postmoderne und Globalisierung geprägten Zeitalter eine „Erosion der Lebensbereichsgrenzen“ (Wöhler 2005:561) statt, die uns vor große Herausforderungen stellt. Die Lebensbereiche gehen zunehmend ineinander über und während des Aufenthalts in einem Lebensbereich sind die anderen Lebensbereiche kognitiv ständig präsent und zerren an der Aufmerksamkeit (Behringer 1998:151).

Dieses Phänomen kennen auch und gerade Entscheidungsträger im Spitzensport. Man ist innerlich und äußerlich nie „offline“. Die psychische Belastung, die dadurch entsteht, ist enorm. So belegt beispielsweise der BKK Faktenspiel aus dem Jahr 2010, dass die ständige Erreichbarkeit und die Vielzahl an geleisteten Überstunden häufig zu Schlafproblemen und psychosomatischen Erkrankungen führen. Inzwischen haben  49% der Berufstätigen häufig oder fast täglich mit Schlafproblemen zu kämpfen“ (:3). Aber es gibt eine gute Möglichkeit, dem entgegenzuwirken und den Kopf wieder besser freizubekommen und sich körperlich und geistig ganz auf einen Lebensbereich einzulassen. Welche? Das können Sie beim Life-Coaching entdecken. Bis demnächst.

Ihr Michael Micic

 

Literatur:

  • Behringer, Luise 1998. Lebensführung als Identitätsarbeit: Der Mensch im Chaos des modernen Alltags. Frankfurt am Main: Campus.
  • BKK Faktenspiegel 2010. Arbeit und Schlaf [11]. Online im Internet: URL: http://www.bkk-wuerth.de/images/stories/Faktenspiegel/fs%201011%20schlaf.pdf  [Stand: 4.1.2016].
  • Wöhler, Karlheinz 2005. Ökonomisierung der Freizeit, in Popp, Reinhold: Zukunft : Freizeit: Wissenschaft: Festschrift zum 65. Geburtstag von Univ. Prof. Dr. Horst W. Opaschowski. Münster: Lit, 559-570.

Vom Boxsport lernen: Machen Sie Konkurrenten zu Verbündeten!

Puzzle-Bild Konkurrenten zu Verbündeten machen

Vor wenigen Tagen erschien bei LinkedIn ein Beitrag von Box-Weltmeister Wladimir Klitschko, der mich sehr inspiriert hat, weil er so herrlich quer ist. Seine Kernbotschaft lautet: „Verlassen Sie doch mal den gewohnten Weg, indem Sie zum Beispiel darüber nachdenken, was Ihr Konkurrent eigentlich für Sie tun kann [und umgekehrt natürlich auch sie für ihn]. Warum nicht den Mitbewerber zum Verbündeten machen?“  (Klitschko 2016]. Was sich zunächst befremdlich anhören mag, entpuppt sich schnell als interessanter Vorschlag. Klitschko beschreibt eindrücklich, wie er in den Wochen und Monaten vor einem Boxkampf mit vielen Sparringspartnern arbeitet, die in Zukunft seine Gegner werden könnten. Sie helfen ihm in der Vorbereitung und er gibt ihnen Tipps, macht sie besser. So profitieren beide Konkurrenten – eine Win-Win-Situation entsteht.

Aber damit nicht genug: Am Ende seines Beitrags fordert Klitschko seine Leser dazu auf, „offen für Kooperationen [zu sein], auch wenn sie anfangs noch so absurd klingen“ – und sich anzuschauen, „ob Ihr größter Feind nicht doch Ihr Freund werden sollte“ [Klitschko 2016]. Das klingt ja schon fast nach der Feindesliebe aus der Bergpredigt Jesu – und das aus dem Munde eines Schwergewichts-Weltmeisters.

Ok, vielleicht ist diese Herausforderung für Normalsterbliche eine Nummer zu groß. Aber wie wäre es, erst einmal klein anzufangen und sich mit den Mitgliedern des eigenen Teams zu verbünden, um eine echte Einheit zu werden, in der einer den anderen ergänzt und unterstützt? Wie viel stärker wären Sie zusammen?! Und wenn das klappt, gehen Sie mit Ihren Konkurrenten oder gar Feinden ins Sparring – mit dem Ziel, das keiner K.O. geht, sondern beide als Sieger aus dem Ring steigen. Viel Erfolg!

Ihr Michael Micic

 

Literatur:

Klitschko, Wladimir 2016. Die Business-Welt ändert sich mit jeder Minute: So bleiben Sie obenauf [22.10.2015]. Online im Internet: URL: https://www.linkedin.com/pulse/die-business-welt-%C3%A4ndert-sich-mit-jeder-minute-so-sie-klitschko?trk=micro-mktg-de-2110-post-wk [Stand: 30.10.2015].

„Zeige mir Deine Freunde und ich sage Dir, wer Du bist:“

Friends

Klinsmann, Lahm und Peters zur Bedeutung des Umfeldes und der Lebensgestaltung

 

Drei Weltmeister – eine Meinung

Sie alle sind Weltmeister geworden: Lahm erst gestern (Herzlichen Glückwunsch!), Klinsmann bereits 1990 – beide je einmal als Spieler der DFB-Auswahl; Peters als Trainer der deutschen Hockeynationalmannschaft sogar gleich dreimal (2002 und 2006 im Feldhockey und 2003 im Hallenhockey). Aber es gibt noch etwas anderes, das sie verbindet: Alle drei Weltmeister messen dem Umfeld und der Lebensgestaltung im Spitzensport eine enorme Bedeutung bei. Weiterlesen

Vorstellung meines Life-Coaching-Ansatzes bei der DFB- und DFL-Tagung am 28.04.2015

Seminarraum

Nachdem die Auditoren mir neulich im Rahmen des NLZ-Zertifizierungsgesprächs in Köln bestätigten, dass mein Life-Coaching-Angebot als Gesamtkonzept ein Novum in deutschen Profifußballvereinen darstellt, geht es jetzt mit Spannung weiter: Der DFB und die DFL bieten mir am 28. April die Möglichkeit, das Konzept Life-Coaching als eigenständiges Beratungs- und Betreuungsformat bei der Tagung der psychologischen Mitarbeiter der Nachwuchsleistungszentren zu präsentieren.  Ich freue mich auf dieses Heimspiel, denn die Tagung wird bei uns im Geißbockheim stattfinden. Eingeladen sind die sportpsychologischen Mitarbeiter von etwa  50 Vereinen der Bundesliga, 2. Bundesliga, 3. Liga und der Regionalliga.

Als weiterer Referent wird Christian Luthardt seine sportpsychologische Arbeit bei Bayer Leverkusen vorstellen. Ich freue mich auf seinen Vortrag und die Gespräche über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Life-Coaching und Sportpsychologie. Wie unsere gelungene Kooperation mit dem Psychologischen Institut der Deutschen Sporthochschule zeigt,  ergänzen sich beide Ansätze in der Praxis sehr gut. Vielleicht gibt die Tagung ja einen Anstoß dazu, dass auch in anderen Vereinen zukünftig Life-Coaches und Sportpsychologen zusammenarbeiten – ähnlich wie es bereits vielerorts im physiologischen Bereich zwischen Athletik- und Rehatrainern geschieht. Schau’n mer mal, was passiert …

Ihr Michael Micic