Vom Boxsport lernen: Machen Sie Konkurrenten zu Verbündeten!

Puzzle-Bild Konkurrenten zu Verbündeten machen

Vor wenigen Tagen erschien bei LinkedIn ein Beitrag von Box-Weltmeister Wladimir Klitschko, der mich sehr inspiriert hat, weil er so herrlich quer ist. Seine Kernbotschaft lautet: „Verlassen Sie doch mal den gewohnten Weg, indem Sie zum Beispiel darüber nachdenken, was Ihr Konkurrent eigentlich für Sie tun kann [und umgekehrt natürlich auch sie für ihn]. Warum nicht den Mitbewerber zum Verbündeten machen?“  (Klitschko 2016]. Was sich zunächst befremdlich anhören mag, entpuppt sich schnell als interessanter Vorschlag. Klitschko beschreibt eindrücklich, wie er in den Wochen und Monaten vor einem Boxkampf mit vielen Sparringspartnern arbeitet, die in Zukunft seine Gegner werden könnten. Sie helfen ihm in der Vorbereitung und er gibt ihnen Tipps, macht sie besser. So profitieren beide Konkurrenten – eine Win-Win-Situation entsteht.

Aber damit nicht genug: Am Ende seines Beitrags fordert Klitschko seine Leser dazu auf, „offen für Kooperationen [zu sein], auch wenn sie anfangs noch so absurd klingen“ – und sich anzuschauen, „ob Ihr größter Feind nicht doch Ihr Freund werden sollte“ [Klitschko 2016]. Das klingt ja schon fast nach der Feindesliebe aus der Bergpredigt Jesu – und das aus dem Munde eines Schwergewichts-Weltmeisters.

Ok, vielleicht ist diese Herausforderung für Normalsterbliche eine Nummer zu groß. Aber wie wäre es, erst einmal klein anzufangen und sich mit den Mitgliedern des eigenen Teams zu verbünden, um eine echte Einheit zu werden, in der einer den anderen ergänzt und unterstützt? Wie viel stärker wären Sie zusammen?! Und wenn das klappt, gehen Sie mit Ihren Konkurrenten oder gar Feinden ins Sparring – mit dem Ziel, das keiner K.O. geht, sondern beide als Sieger aus dem Ring steigen. Viel Erfolg!

Ihr Michael Micic

 

Literatur:

Klitschko, Wladimir 2016. Die Business-Welt ändert sich mit jeder Minute: So bleiben Sie obenauf [22.10.2015]. Online im Internet: URL: https://www.linkedin.com/pulse/die-business-welt-%C3%A4ndert-sich-mit-jeder-minute-so-sie-klitschko?trk=micro-mktg-de-2110-post-wk [Stand: 30.10.2015].

„Zeige mir Deine Freunde und ich sage Dir, wer Du bist:“

Friends

Klinsmann, Lahm und Peters zur Bedeutung des Umfeldes und der Lebensgestaltung

 

Drei Weltmeister – eine Meinung

Sie alle sind Weltmeister geworden: Lahm erst gestern (Herzlichen Glückwunsch!), Klinsmann bereits 1990 – beide je einmal als Spieler der DFB-Auswahl; Peters als Trainer der deutschen Hockeynationalmannschaft sogar gleich dreimal (2002 und 2006 im Feldhockey und 2003 im Hallenhockey). Aber es gibt noch etwas anderes, das sie verbindet: Alle drei Weltmeister messen dem Umfeld und der Lebensgestaltung im Spitzensport eine enorme Bedeutung bei. Weiterlesen

Vorstellung meines Life-Coaching-Ansatzes bei der DFB- und DFL-Tagung am 28.04.2015

Seminarraum

Nachdem die Auditoren mir neulich im Rahmen des NLZ-Zertifizierungsgesprächs in Köln bestätigten, dass mein Life-Coaching-Angebot als Gesamtkonzept ein Novum in deutschen Profifußballvereinen darstellt, geht es jetzt mit Spannung weiter: Der DFB und die DFL bieten mir am 28. April die Möglichkeit, das Konzept Life-Coaching als eigenständiges Beratungs- und Betreuungsformat bei der Tagung der psychologischen Mitarbeiter der Nachwuchsleistungszentren zu präsentieren.  Ich freue mich auf dieses Heimspiel, denn die Tagung wird bei uns im Geißbockheim stattfinden. Eingeladen sind die sportpsychologischen Mitarbeiter von etwa  50 Vereinen der Bundesliga, 2. Bundesliga, 3. Liga und der Regionalliga.

Als weiterer Referent wird Christian Luthardt seine sportpsychologische Arbeit bei Bayer Leverkusen vorstellen. Ich freue mich auf seinen Vortrag und die Gespräche über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Life-Coaching und Sportpsychologie. Wie unsere gelungene Kooperation mit dem Psychologischen Institut der Deutschen Sporthochschule zeigt,  ergänzen sich beide Ansätze in der Praxis sehr gut. Vielleicht gibt die Tagung ja einen Anstoß dazu, dass auch in anderen Vereinen zukünftig Life-Coaches und Sportpsychologen zusammenarbeiten – ähnlich wie es bereits vielerorts im physiologischen Bereich zwischen Athletik- und Rehatrainern geschieht. Schau’n mer mal, was passiert …

Ihr Michael Micic

Oliver Bierhoff: „Was heißt Work-Life-Balance eigentlich genau?“

Life-Balance

Entweder man arbeitet oder man lebt – so suggeriert es zumindest der moderne Begriff „Work-Life-Balance“. Oliver Bierhoff hält diese Einteilung für falsch. Deshalb stellt der Manager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in seinem sehr lesenswerten Buch „Spielunterbrechung“ die provokative rhetorische Frage: „Was heißt Work-Life-Balance eigentlich genau“ (2012:65)? Seiner Meinung nach soll Arbeit keinen Gegenpol zum „eigentlichen“ Leben bilden, sondern Teil davon sein. Denn wenn die Arbeit – so Bierhoff – „nicht zum Leben gehört, keinen Spaß macht, überfordert oder unterfordert, keine erstrebenswerten Inhalte bereitstellt, dann wird Arbeit zur permanenten Belastung und irgendwann zur Überlastung“ (:65). Und weiter schreibt er: „Eine Work-Life-Balance, ein reiner Ausgleich zwischen Arbeits- und Privatleben, ist keine ausreichende Antwort. Wir müssen auch innerhalb unserer einzelnen Lebensbereiche eine Balance anstreben“ (:68). Man könnte sagen, Bierhoff plädiert für einen Paradigmenwechsel – weg von der „Work-Life-Balance“, hin zur „Areas of Life-Balance“ oder einfach nur „Life-Balance“. Was halten Sie davon und wie gestalten Sie Ihre Arbeit, damit sie Ihnen Freude macht, Sinn vermittelt und nicht nur Anspannung, sondern auch Entspannung verschafft? Das sind große Fragen, ich weiß. Vielleicht sind Sie Ihnen auch unangenehm. Aber um es abschließend mit den Worten von Oliver Bierhoff zu sagen: Eine Reflexionszeit – oder wie er es nennt – eine „Spielunterbrechung […] wird wertvoll, wenn wir sie zu nutzen wissen. Wenn wir uns die richtigen Fragen stellen und herausfinden, was wir aus ihr lernen können“ (:8). In diesem Sinne wünsche ich Ihnen interessante Entdeckungen beim Interview mit sich selbst.

Ihr Michael Micic

 

Literatur:
Bierhoff, Oliver 2012. Spielunterbrechung: Man muss nicht schnell laufen, man kann auch richtig stehen. Berlin: Econ.