Bericht und Interview im kicker-sportmagazin vom 18.04.2017 – Warum der Profifußball Experten bei der Persönlichkeitsent­wicklung braucht

In der aktuellen Ausgabe (32) des kicker-sportmagazins vom 18. April 2017 wird auf den Seiten 83-84 darüber berichtet, dass das Thema Life-Coaching im Profifußball noch weitgehend unterbelichtet ist – und das trotz der „Personalanhäufungen der Bundesligaklubs“ sowie zahlreicher privater Verfehlungen von Profispielern. Der Bericht endet mit dem Schlusssatz: „Das Thema Life-Coaching ist aktueller denn je.“ Dem ist nichts hinzuzufügen – außer einem Hinweis auf das darauffolgende Interview auf S. 85 und meine Freude über die vielen positiven Rückmeldungen darauf. Das komplette PDF gibt es unter https://michael-micic.com/medien/ als Download. Schauen Sie mal rein.

Bis demnächst.

Ihr Michael Micic

 

Game over – Wenn private Fehltritte einen Weltmeister zu Fall bringen

Als Profikicker ist man mit 28 Jahren im besten Fußballeralter. In dieser Zeit geht es darum, sich für den möglicherweisen letzten großen langfristigen Vertrag zu empfehlen. Aber genau dann, wenn andere noch einmal in ihrer Karriere durchstarten, heißt es für den Weltmeister Kevin Großkreutz bis auf weiteres: „Game over Profifußball“. Denn der Verein will ihn nicht mehr – und er selbst möchte, wie er sagt, „mit dem Fußball erstmal nix zu tun haben“.

Nach mehreren privaten Verfehlungen in den vergangenen Jahren hat sein letzter Verein, der VfB Stuttgart, die Reißleine gezogen und sich von Großkreutz getrennt – und das nicht etwa wie allgemein im Profigeschäft üblich, in der Transferperiode, sondern jetzt, inmitten des Aufstiegskampfs. Mit sofortiger Wirkung. Gut möglich, dass Großkreutz trotz früherer Skandale in seiner Karriere höchstwahrscheinlich auch dieses Mal „nur“ mit einer saftigen Geldstrafe davongekommen wäre. Ausschlaggebend für die jetzige Vertragsauflösung scheint gewesen zu sein, dass bei seiner privaten Verfehlung vereinsseitig nicht nur er allein beteiligt war, sondern auch einzelne Spieler aus der U17-Jugendmannschaft des VfB. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge waren sie gemeinsam in der Partynacht zuerst in einer Stuttgarter Nobeldisko und später in einem Bordell im Rotlichtviertel der Stadt.

Möglicherweise wäre diese Aktion unter der Woche nicht bekannt und auch anders geahndet geworden, wäre die Gruppe um Großkreutz nicht mit einer anderen Gruppe in eine Auseinandersetzung geraten und er selbst dabei von dieser krankenhausreif geschlagen worden.

Ob die Entscheidung des VfB, Großkreutz‘ Vertrag mit sofortiger Wirkung aufzulösen, angemessen ist, ist von außen nur schwer zu beurteilen – und steht mir auch nicht zu. Außerdem bleibt es fraglich, ob die Auflösung seines Vertrags eine Signalwirkung auf andere Profis haben wird oder sie (nach wie vor) gemäß der Maxime des 11. Gebots leben. Es heißt: „Du sollst Dich nicht erwischen lassen.“

Sicher ist indes, dass die deutschen Profifußballvereine aufgefordert sind, Spieler, aber auch Trainer und Verantwortliche in puncto gelingende Lebensgestaltung künftig stärker zu fördern. Denn wie der Fall Kevin Großkreutz und die vielen Schlagzeilen über private Verfehlungen von Akteuren im Profifußball zeigen, ist die gelingende Lebensgestaltung nicht immer eine Selbstverständlichkeit – und die Folgen des Nicht-Gelingens fatal.

Vielleicht hätte durch Life-Coaching der tiefe Fall des Weltmeisters Kevin Großkreutz verhindert werden können. Aber auch jetzt könnte es ihm helfen, sich wieder neu auf- und auszurichten – unabhängig davon, ob er seine Karriere fortsetzen wird, oder nicht …

 

Bis demnächst.

Ihr Michael Micic

Vortrag und Training im Rahmen der BDFL-Fortbildung am 20.02.2017 am IfSS der Uni Freiburg

Am 20.02.2017 werde ich bei der BDFL-Fortbildung am Institut für Sport und Sportwissenschaft (IfSS) der Uni Freiburg meinen Life-Coaching-Ansatz vor etwa 50 Fußballtrainern vorstellen und zwei Workshops bzw. Trainings mit ihnen durchführen: Selbstachtsamkeit als Burnout-Prophylaxe für Trainer sowie (Selbst-)Achtsamkeit als Schlüsselfaktor für die Trainer-Spieler-Beziehung.

Ich freue mich sehr auf die Veranstaltung und die vielen Begegnungen in Freiburg.

Bis demnächst.
Ihr Michael Micic

 

 

Meine neue Kolumne im Trainer-Journal

Im Rahmen meiner neuen Kolumne zum Leitthema „Selbstachtsamkeit und Selbstreflexion“ habe ich für die aktuelle Ausgabe des BDFL-Journals vom Bund Deutscher Fußball-Lehrer einen Artikel zu der Frage verfasst, wie Trainer verschiedene Lebensbereiche wirkungsvoll voneinander abgrenzen können. Die ganze Aufmerksamkeit auf den einen Lebensbereich zu konzentrieren, in dem man sich befindet, ist gerade in unserem heutigen schnelllebigen digitalen Zeitalter besonders herausfordernd – nicht nur für Fußballtrainer, sondern auch für andere Berufsgruppen.

Möchten Sie erfahren, wie es trotzdem klappt? Dann lesen Sie am besten meinen Artikel – entweder im aktuellen BDFL-Journal oder hier auf meiner Website: https://michael-micic.com/medien/. Viel Erfolg bei der Umsetzung!

Bis demnächst.
Ihr Michael Micic

 

Vortrag am 15.11.2016 am Künzelsauer Campus der Hochschule Heilbronn

Am kommenden Dienstag, 15. November 2016, werde ich von 17:30 Uhr bis 19 Uhr am Künzelsauer Campus der Hochschule Heilbronn einen Vortrag halten zum Thema „Was zeichnet einen Life-Coach im Spitzensport aus?“. Dabei werde ich u.a. von meinen Hospitationen in der englischen Premier League sowie von meinen Erfahrungen als Angestellter des 1. FC Köln und selbstständiger Life-Coach berichten. Ich freue mich sehr, an meinen früheren Studienort zurückzukehren und bin gespannt darauf zu sehen, wie er sich seitdem entwickelt hat.

Bis demnächst.
Ihr Michael Micic

Pro­fi­fuß­ball­verein und Wirt­schafts­konzern – meine Er­fahr­ungen als Coach in Hoch­leistungs­be­rei­chen

In meinem letzten Blogeintrag habe ich angekündigt, dass ich immer wieder gerne vom Sport- in den Wirtschaftsbereich spicke und dort auch bald die Innenperspektive einnehmen werde. Inzwischen bin ich in der Automobilindustrie beim Bertrandt-Konzern angestellt und arbeite dort als Personalentwickler und Coach. Außerdem übe ich meine Tätigkeit als Life-Coach im Spitzensport weiterhin als Nebentätigkeit aus.

Was mir nach meinem Wiedereinstieg in den Wirtschaftsbereich bereits nach kurzer Zeit auffällt, ist, dass sich das Coaching dort nicht sonderlich vom Coaching im Spitzensport unterscheidet. In beiden Bereichen geht es häufig um Konflikt- und Karrierethemen oder z.B. um Auftreten und Durchsetzungsvermögen, Kommunikation und Sozialkompetenz. Und es geht für einen Coach darum, die Person als einzelne und ganzheitlich in den Blick zu nehmen.

Denn gerade in Hochleistungsbereichen wie Wirtschaft und Spitzensport darf trotz oder gerade wegen der zunehmenden Digitalisierung und Technologisierung sowie der Zahlenfixiertheit eines nicht außer Acht gelassen werden ­ – der Faktor Mensch.

In der aktuellen ARD-Themenwoche über die „Zukunft der Arbeit“ wird dieser Faktor sogar in den Mittelpunkt gestellt. Ob und inwiefern ein Wirtschaftsunternehmen oder ein Spitzenverein in Zukunft erfolgreich sein wird, hängt demnach entscheidend von dessen Fähigkeit ab, eine tragfähige Beziehung aufzubauen und Geist und Seele des Personals zu erreichen.

Damit schließt sich wieder der Kreis zum Coaching. Denn Coaches können dabei helfen, diese Fähigkeit zu entdecken und zu entwickeln …

Bis demnächst. Ihr Michael Micic

 

Quelle:

http://www.ard.de/home/themenwoche/ARD_Themenwoche_2016_Zukunft_der_Arbeit/3234726/index.html

Die Gesellschaft verändert sich – Was der Spitzensport von der Wirtschaft lernen kann

Zunächst vom Spitzensport zur Wirtschaft …

Von den beiden zurzeit wohl anerkanntesten und im Übrigen sehr angenehmen deutschen Sportpsychologen Hans-Dieter Hermann und Jan Mayer ist im Jahr 2014 unter dem Titel „Make them go!“ ein Buch erschienen, das man als „Must-Have“ bezeichnen kann. Das Besondere daran ist, dass Hermann und Mayer nicht nur faszinierende Einblicke in den „inner circle“ des Spitzensports gewähren und eindrücklich veranschaulichen, mit welchen Strategien und Methoden individuelle und kollektive Höchstleistungen möglich sind – sondern darüber hinaus dieses Wissen auch in die Welt der Wirtschaft und des Managements übertragen, um es für Fach- und Führungskräfte fruchtbar zu machen. Hervorzuheben sind insbesondere die Beiträge zu den Themen Motivationsanreize, Individualisierung und Teamentwicklung sowie Emotionalität und Vertrauensbildung. Das Buch bietet einiges, was die Wirtschaft vom Spitzensport lernen kann.

… und dann von der Wirtschaft zum Spitzensport

Umgekehrt stelle ich mir allerdings immer öfter die Frage, ob es nicht auch dem Spitzensport guttun würde, sich stärker von der Wirtschaft inspirieren zu lassen. Denn unsere Gesellschaft wandelt sich – und die Wirtschaft scheint das früher erkannt zu haben als der Spitzensport. Das zeigen nicht nur Bestseller wie Patrick Cowdens Buch „Neustart: Das Ende der Wirtschaft, wie wir sie kennen“ oder die vielen einschlägigen Artikel in den beruflichen sozialen Netzwerken zu Themen wie „New Work“, „Arbeiten 4.0“ oder „Industrie 4.0“. Auch der Umgang mit der „Generation Y“ und die damit verbundenen Chancen und Herausforderungen für Firmen werden in der Wirtschaft bereits seit langem behandelt. In den Profivereinen findet eine Beschäftigung mit den gesellschaftlichen Veränderungsprozessen – wie zuletzt Werner Micklers Vortrag über die Entwicklung des Anforderungsprofils von Fußballtrainern beim diesjährigen Internationalen Trainerkongress (ITK) in Fulda gezeigt hat – hingegen bislang nur unzureichend statt. Dafür sind die Denk- und Handlungsweisen im Spitzensport häufig noch zu veraltet, unflexibel und hierarchiegeprägt.

In vielen Firmen bereits seit Langem etablierte Arbeitsweisen wie das Home Office sind nur für sehr kleine Personenkreise im Spitzensport denkbar – z.B. für Videoanalysten. Für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind mir aus dem Bereich des Spitzensports – anders als aus Wirtschaft – bislang keine Konzepte bekannt. Stattdessen wird es einfach als normal empfunden bzw. vorausgesetzt, dass viele Trainer und Entscheidungsträger hunderte Kilometer getrennt von der Familie leben und sie nur einmal in der Woche sehen – wenn überhaupt. Sorry, aber ein solches Leben ist kein Familienleben. Und es gibt nicht wenige, die darunter leiden. Anstatt zu kapitulieren, gilt es hier von Akteurs-, Vereins- und Verbandsseite zu agieren und zu verändern. Gleiches gilt für das Thema Führung: Führung wird noch immer eher transaktional als transformational verstanden und gelebt – häufig fehlt ein wirkliches Sich-Einlassen auf die Geführten. Und ein Betriebliches Gesundheitsmanagement gibt es gerade dort, wo Gesundheit und Bewegung einen besonderen Stellenwert einnehmen sollte, bislang nur in kleinen Ansätzen – und auch nicht überall.

Diese Liste ließe sich noch um weitere Punkte erweitern. Aber dieser Beitrag soll nicht erschöpfend sein, sondern „nur“ anregen und inspirieren. Ich schaue jedenfalls immer wieder gerne „hinüber“ zum Wirtschaftsbereich und werde dort bald auch die Innenperspektive einnehmen. Aber mehr dazu im nächsten Blogeintrag. Bis dahin!

Ihr Michael Micic

 

Literatur:

  • Hermann, Hans-Dieter & Mayer, Jan 2014. Make them go!: Was wir vom Coaching für Spitzensportler lernen können. Hamburg: Murmann.
  • Cowden, Patrick D. 2013. Neustart: Das Ende der Wirtschaft, wie wir sie kennen. Ab jetzt zählt der Mensch! München: Ariston.

Sehen wir uns beim ITK 2016 in Fulda?!

In wenigen Tagen (25.-27. Juli) findet zum 59. Mal der Internationale Trainerkongress (ITK) statt, der vom Bund Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL) veranstaltet wird. Austragungsort des Kongresses 2016  ist die historische Stadt Fulda. Wie in jedem Jahr wird auch beim diesjährigen ITK wieder das „Who is Who“ des deutschen Fußballs vertreten sein. Unter dem Leitthema „Analyse der EM 2016 und Perspektiven aktueller Trainerkompetenzen“ bekommen die Teilnehmer ein attraktives und abwechslungsreiches Theorie- und Praxisprogramm geboten. Sind Sie Trainer oder Entscheidungsträger und kommen auch zum ITK nach Fulda? Dann sollten wir uns dort persönlich kennenlernen und klären, wie Sie von meinem Life-Coaching-Angebot profitieren können. Kontaktieren Sie mich am besten noch in dieser Woche und wir vereinbaren einen unverbindlichen Kennenlerntermin.

Ihr Michael Micic

Empathie und Resonanz als „Must-have“ guter Führung

Wer als Führungskraft in der Wirtschaft oder Trainer im Spitzensport Teams erfolgreich entwickeln möchte, braucht mehr als Fach- und Organisationskompetenz. Erforderlich ist auch und insbesondere die Bereitschaft und Fähigkeit, sich in die Gedanken, Einstellungen und Emotionen seiner Teammitglieder einzufühlen. Mit einem Wort: Es braucht Empathie. Die Fähigkeit zur Empathie „ist im Menschen von Geburt an angelegt. […] Schon kleine Kinder trösten in der Regel die Mutter, wenn diese weint. Sie sind früh in der Lage, den Gefühlszustand zu erkennen und selbst zu reagieren“ (Kaßner 2016). Wird diese Fähigkeit allerdings nicht immer wieder trainiert und angewandt, verkümmert sie im Laufe der Jahre. Und das hat weitreichende Folgen. Denn wenn Teams als Ganzes oder dessen Mitglieder als Einzelne sich von ihrem Vorgesetzten nicht verstanden fühlen, werden sie leistungstechnisch unter ihren Möglichkeiten bleiben. Umgekehrt kann eine hohe Empathiefähigkeit die Leistung und Zufriedenheit deutlich fördern. Deshalb ist es für Führungskräfte in der Wirtschaft oder Trainer im Spitzensport so wichtig, das einfühlsame und empathische Mitschwingen zu üben.

Für die eigene Entwicklung bedarf es allerdings noch eines weiteren Schrittes: der Bereitschaft und Fähigkeit zur Resonanz. Dabei geht es darum, dass man sich als Führungskraft bzw. Trainer den Widerhall, den das Mitschwingen mit einem ganzen Team oder einzelnen Teammitgliedern auch aufgrund der „eigenen Lebensgeschichte/-wirklichkeit [in einem selbst] hervorruft“ (Kaßner 2016), in Distanz zu sich selbst bewusstmacht.

Wer in Empathie und Resonanz gut geübt ist, lernt nicht nur, sein Team und sich besser zu verstehen, sondern auch besser zu führen und damit weiterzuentwickeln.

Probieren Sie es aus!

Ihr Michael Micic

P.S.: Sie können übrigens „nicht nur mit anderen Menschen, sondern auch mit Themen, Stimmungen, Orten, Bildern etc.“ (Kaßner 2016) in Resonanz treten und so vielleicht noch Unentdecktes über sich erfahren.

 

Literatur:

Kaßner, Susanne 2016. Resonanz und ihre Bedeutung im Coaching-Prozess: Teil 1. Online im Internet: URL: http://www.coaching-newsletter.de/archiv/2016/coaching-newsletter-mai-2016.html [Stand: 31.05.2016].

Time for change – Paradigmenwechsel in Wirtschaft und Spitzensport?

Gegenwärtig vollzieht sich ein Wandel von der Industrie- hin zur Wissens- und Informationsgesellschaft. Treiber dieses Veränderungsprozesses sind die Globalisierung, Digitalisierung und Technologisierung.

Wirtschaft

Der Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx prognostiziert, dass dadurch tiefgreifende Auswirkungen auf die Arbeits- und Lebenswelten zu erwarten sind – und spricht vom „Megatrend New Work“ (Zukunftsinstitut 2016). Silke Luinstra, die als Beraterin und Trainerin in Unternehmen arbeitet und Mitinitiatorin des Filmprojekts „AUGENHÖHE“ ist, sieht ebenfalls die Zeit für Veränderung gekommen und plädiert „für ein neues Paradigma in der Arbeitswelt“, das Mitarbeitenden mehr Eigenverantwortung und Entscheidungsbeteiligung ermöglicht und Menschlichkeit als wichtigen Faktor für die Arbeitszufriedenheit und den ökonomischen Erfolg begreift (Deutschlandradio Kultur 2016) – ein Plädoyer, das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales geteilt wird. Aus diesem Grund startete es im vergangenen Jahr einen „Dialogprozess Arbeiten 4.0“.

Spitzensport

Und wie steht es mit dem Spitzensport? Besteht auch hier – ähnlich wie in der Wirtschaft – Anlass für einen Paradigmenwechsel? Nach Auffassung von Prof. Angar Thiel, Leiter des Instituts für Sportwissenschaft der Universität Tübingen, steht zumindest die Frage im Raum, ob und inwieweit die veränderten Aufwachsbedingungen junger Menschen in Zeiten des gesellschaftlichen Wandels noch mit den Leistungs- und Lebensanforderungen des Spitzensports kompatibel sind (2015).

Erfolgsfaktor Lebenswelt weitgehend unberücksichtigt

Ein Blick in das aktuelle BDFL-Journal (2016) und in die sportwissenschaftliche Forschung zeigt, dass der Erfolgsfaktor Lebensgestaltung im Spitzensport bislang kaum berücksichtigt wird (Thiel 2015). Dabei sei allerdings – so Thiel – gerade die „Passung von individueller Lebenswelt und Spitzensporterwartungen [eine] wichtige Voraussetzung für langfristigen sportlichen Erfolg“ (2015).

Kollisionen

Vergleicht man die individuellen Aufwachsbedingungen heutiger junger Menschen mit den Leistungs- und Lebensanforderungen des Spitzensports, scheint diese Passung nicht mehr gegeben zu sein. Laut Thiel findet hier eher eine Kollision statt. Es mangele auf der Trainerseite an einem Bewusstsein und Verständnis für die Alltagsprobleme junger Athleten innerhalb und außerhalb des Sports (2015). Beispielsweise sei für sie die „Enträumlichung und Entzeitlichung der mediatisierten Welt […] nur schwer mit der des Trainings-und Wettkampfbetriebs“ in Einklang zu bringen (2015). Es falle ihnen zunehmend schwerer, sich unterzuordnen, weil sie mit der „mediale[n] Fiktion der maximalen Selbstverwirklichung“ aufwachsen (2015). Ferner haben sie laut Thiel wenig Coping-Erfahrungen mit Niederlagen und Scheitern und bekommen diese durch die Medien auch nicht ausreichend vermittelt (2015). Es falle ihnen häufig schwer, mit Monotonie umzugehen; Möglichkeiten, subjektive Belastungen und Beschwerden (körperlich und psychisch) in einem vertrauensvollen Rahmen zu kommunizieren, seien kaum vorhanden und Mehrfachbelastungen (z.B. G8) führten zu fehlenden Regenerationszeiten (2015).

Lösungsansätze

Bei dieser Fülle an Kollisionen stellt sich freilich die Frage, wie die Trainer und Entscheidungsträger in den Vereinen die veränderten Aufwachsbedingungen junger Athleten berücksichtigen und dennoch den Leistungs- und Lebensanforderungen des Spitzensports weitgehend gerecht werden können, um erfolgreich zu sein. Thiel sieht in der individualisierten Kommunikation mit Athleten einen wichtigen Lösungsansatz. Für ihn ist sie ein zentraler Faktor zur „Vermeidung von Burn-Out, chronischen Überlastungssyndromen und Drop-Out“ (2015). Im 1:1-Gespräch gelte es, die „Differenz zwischen medialer Realität und spitzensportlicher Realität zu besprechen“ (2015). Außerdem müssten für Athleten in Zukunft mehr Gelegenheiten geschaffen werden, aus der Kollektividentität auszubrechen und sich – wie es ihrem individuellen Entwicklungsbedürfnis als junge Menschen entspricht – „zumindest in der Fiktion“ (2015) abweichend verhalten zu dürfen.

Was dazu wohl die Trainer und Entscheidungsträger sagen …

Ihr Michael Micic

 

Literatur und Quellen: