Scheitern als Begründung für den Erfolg?

„I’ve missed more than 9000 shots in my career. I’ve lost almost 300 games. 26 times, I’ve been trusted to take the game winning shot and missed. I’ve failed over and over and over again in my life. And that is why I succeed.“

Hätten Sie gedacht, dass das ein Zitat von Michael Jordan (2012) ist? Scheitern als Begründung für den Erfolg: eine ungewöhnliche und zugleich nachdenkenswerte Aussage – insbesondere, weil sie vom besten Basketballspieler aller Zeiten stammt (NBA 2016).

Gut, jetzt könnte man einwenden, dass es in Ballsportarten selbst bei Superstars neben Treffern auch immer wieder zu Fehlschüssen kommt. Keiner hat eine 100%-Quote. Damit umgehen zu können, ist noch keine besondere Leistung. Aber darum geht es in Jordans Aussage nicht. Es geht um mehr – viel mehr. Es geht darum, sich trotz Fehlversuchen und Niederlagen im Sport wie im Leben nicht unterkriegen zu lassen, sondern mit Kraft und Zuversicht „fokussiert und leidenschaftlich die eigenen Ziele zu verfolgen – ganz gleich, welche üblichen oder unerwarteten Rückschläge und Herausforderungen auch auftauchen mögen“ (Peltin & Rippel 2015:38). Es geht darum, „nach vorne zu blicken, anstatt zurück, bewusst immer wieder aufzustehen, anstatt liegen zu bleiben, und weiterzumachen, anstatt aufzugeben“. Diese Widerstandsfähigkeit und „Stehaufmännchen-Mentalität“ wird in der Psychologie als „Resilienz“ bezeichnet. Der Begriff stammt aus dem lateinischen „resilire“, was übersetzt „zurückspringen“, „abprallen“ bedeutet.

Jordans Resilienz wurde bereits in jungen Jahren auf eine harte Probe gestellt. Denn nachdem er sich 1977 in die Laney Highschool in Wilmington, North Carolina, eingeschrieben hatte, scheiterte er ein Jahr später bei dem Versuch, ins Basketballteam der Uni-Mannschaft aufgenommen zu werden (Porter 2007:XV). Anstatt aufzugeben, blieb er aber dran, steigerte sich ungemein und schaffte in den Folgejahren den Durchbruch (:XV). Hätte sich Jordan nicht von Anfang an durchgebissen, hätte es eine der größten Sportlerkarrieren der Welt womöglich niemals gegeben!

Aufgrund dieses und vieler ähnlicher Beispiele fordert der Trainer von Borussia Dortmund, Thomas Tuchel, ein Umdenken in der Ausbildung junger Fußballtalente. Seiner Auffassung nach kann „diese Riesen-Komfortzone, die wir den Spielern heute zugute kommen lassen,  […] dazu führen, dass etwas fehlt: To overcome obstacles“ (2015). Tuchel fragt und folgert: „Wer kann noch Leitung bringen, wenn die Kabine nicht klimatisiert ist, kein Fahrservice da ist, die Wäsche nicht gewaschen. Hindernisse zu überwinden, lernt man nur so. […] Diejenigen, die was werden, haben vielleicht diese Eigenschaft, sich den Weg auch mal freizuräumen“ (2015).

Stimmt. Zumindest im Basketball. Siehe Michael Jordan …

Ihr Michael Micic

 

Literatur und Quellen: